Areal Bortenschlager – Bericht im "Pfaffenhofener"
Fenster in eine sehr ferne ZeitAusgrabungen auf dem Bortenschlager Areal reichen weit zurück
von Claudia Erdenreich
Sehr viel hat man nicht erwartet bei den Ausgrabungen. Zu oft war das als Bortenschlager bekannte Areal schon überbaut worden, mehrfach seit dem Mittelalter und zuletzt vor nicht einmal hundert Jahren. Bei den Grabungen auf dem Sigl-Areal hatte man zwar interessante, aber keinesfalls überraschende Einblicke in die mittelalterliche Stadtgeschichte erhalten. Ein paar Keller, ein paar Scherben, mit mehr rechnete man auch unter dem Bortenschlager nicht. Die Ursprünge der Pfaffenhofener Geschichte standen seit langem fest, die erste urkundliche Erwähnung liegt bei 1140, einige Jahrzehnte bevor die Wittelsbacher Herzöge wurden. Ein bisschen früher könnte es eine Ansiedelung gegeben haben, aber bisherige Funde deuteten keine Sensation an. Die Gegend war früh besiedelt, Kelten waren im heutigen Landkreis, Römer, auch bronzezeitliche Grabhügel finden sich. Aber nichts davon in Pfaffenhofen.
Ausreichend Zeit für die Grabungen
So begannen die Grabungen als Routine, sie sind Pflicht bei einem Bauvorhaben wie hier in einer ursprünglich mittelalterlichen Altstadt. Für die meisten Bauherren sind sie eine eher lästige Pflicht, sind doch die Kosten zu tragen, immer vor dem Risiko einer Bauverzögerung bei Funden. Für Bauherr Hans Baierl von Trend Immobilien ist das anders. Er sieht sich in der Pflicht, Geschichte für die Nachwelt zu erhalten, ließ auch eine umfassende Dokumentation über den Bortenschlager vor dem Abriss erstellen. Er kalkuliert Kosten wie Grabungszeit von vorneherein ein, eine Selbstverständlichkeit für einen ordentlichen Kaufmann, finde t er. Doch die Archäologen um Dr. Markus Arnolds loben die Zusammenarbeit, treffen sie doch selten auf solche Bauherren. Hans Baierl konnte die Grabungsarbeiten von seinem Büro aus verfolgen, und er verfolgte sie mit Spannung und großem Interesse. „Einfach faszinierend“, findet er es, dass Fundstücke noch nach tausenden von Jahren exis tieren, und er ist stolz, dass sie auf seinem Areal gefunden wurden. Den A rchäologen ließ er ihre Zeit, er lobt sogar ausdrücklich ihren Einsatz an langen Abenden und Wochenenden. Hans Baierl hat ganz bewusst keinen Druck auf die Archäologen ausgeübt, wie das andere Bauherren gerne tun. Er ließ ihnen die Zeit, genauer hinzusehen. Und auch er sah genauer hin, sah schon von seinem Fenster aus, wenn wieder etwas gefunden wurde, die Reaktion der Archäologen kann er inzwischen deuten. Die Bauzeit hat sich trotzdem verzögert, aber das sieht der Bauherr entspannt: „Das holen wir wieder ein“. Gelohnt haben sich die Grabungen der Firma ADV aus Neuburg an der Donau auf jeden Fall, ergaben sie doch unerwartet eine echte Sensation.
Eine kleine Sensation bei den Funden
Die Römer sind noch lange nicht am Horizont erschienen, auch von den Kelten wird erst in einigen tausend Jahren die Rede sein. Ganz Mitteleuropa ist dicht bewaldet, auch die Gegend an der Ilm. Die Menschen sind sesshaft geworden, eine echte Revolution hat sich vollzogen. Die Menschen zogen nicht mehr als Nomaden umher, sie rodeten, belegten feste Siedlungsplätze, hatten gute Kenntnisse in Ackerbau und Viehzucht, waren in der Lage, Werkzeuge und verzierte Keramik herzustellen. Unter einer mittelalterlichen Abfallgrube kamen solche Scherben zum Vorschein, sie gehören zur Münchshöfener Kultur. Grabungsleiter Dr. Markus Arnolds datiert sie auf etwa 4.500 – 4.300 v. Chr. Benannt ist die ganze Kultur nach einem Fund in Münchshöfen im Landkreis Straubing. Verbreitung fand die Münchshöfener Kultur vorwiegend entlang der Donau in Niederbayern, in Pfaffenhofen hätte niemand mit Funden gerechnet. Die Archäologen erarbeiten nun ihre Ergebnisse, die Berichte werden für Oktober erwartet. Schon jetzt steht aber fest, dass die Pfaffenhofener Geschichte zumindest erweitert werden muss. Ganz im Zentrum, am heutigen Hauptplatz, lebten schon vor 6.500 Jahren Menschen. Mancher Geschichtsfan schaute ganz besonders intensiv in die Ba ugrube, in der Hoffnung auf eine kleine Zeitreise, auf einen Münchshöfener, der um die Ecke schaut. So leicht macht es uns der Steinzeit-Pfaffenhofener nicht, außer ein paar Scherben hat er nichts dagelassen, es ist an den Archäologen, sie zum Sprechen zu bringen.
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